Nazis in Ihrer Nachbarschaft? Rechtsextreme Aufkleber in Hofheim

So groß die Bedrohung unserer Demokratie durch die AfD ist, darf man doch nicht vergessen, dass es neben dieser Partei Gruppen in Deutschland gibt, die ihre menschenverachtenden Haltungen noch extremer und unverhohlener propagieren. Dass dies nicht nur ein Randphänomen ist, zeigt sich aktuell an einer massenhaft plakatierenden NPD.

Wie weit verbreitet und vernetzt rechtsextreme Gruppen sind, zeigt sich aber auch, wenn man sich über die verschiedenen Akteure informiert, die ihre Hetze in Form von Aufklebern auch außerhalb des Wahlkampfes im Straßenbild verbreiten.

Wir sind durch Hofheim gelaufen und haben die rechtsextreme Propaganda gesammelt, die uns begegnet ist. Wir haben sowohl diese Ausstellung über die verschiedenen Organisationen und Gruppen erstellt als auch eine Karte, auf der zu sehen ist, wo wir die Aufkleber gefunden haben. Die Karte finden Sie auf tinyurl.com/aufkleber-hofheim.

Falls Sie selbst rechtsextreme Aufkleber finden, schicken sie uns ein Foto davon mitsamt Fundort an solidaritaetgrenzenlosmtk@gmx.de mit dem Betreff „Aufkleber“ damit wir die Karte laufend aktualisieren können.

 

Maximilian Reich

Der Online-Shop Revoltopia sowie das Antikapitalistische Kollektiv, die Kampfgeneration, sowie die Junge Nationalisten haben direkt etwas mit Maximilian Reich zu tun. Deshalb ist es sinnvoll ihn zunächst kurz vorzustellen.

  • *1991
  • früher in Hessen aktiv u.a. im Freien Netz Hessen
  • organisiert das Antikapitalistische Kollektiv
  • heute wohnhaft in Illingen
  • Vorsitzender der Jungen Nationalisten (Jugendorganisation der NPD) in Baden-Württemberg
Revoltopia

Seit 2015 betreibt Maximilian Reich den rechsextremen Onlineshop Revoltopia, früher noch unter der Domain revoltopia.net, heute aber unter revoltopia.com werden aktuell Produkte verschiedener rechtsextremer Gruppen vertrieben. So zum Beispiel white-ethnostate.org welche eine „Heimstätte“ für die „weiße Rasse“ fordern. Andere Aufkleber und Plakate wiederum rufen zum Mord an Dealern auf und drücken Unterstützung für den philippinischen Präsidenten Duterte aus, sein „War on Drugs“ hat seit Ende Juni 2016 mehreren tausend Menschen das Leben gekostet. Auch Plakate und Aufkleber mit der Aufschrift NS-AREA, welche auch schon in Hofheim und Umgebung gefunden wurden, finden sich in dem Shop. Reich vertreibt auch ein T-Shirt, welches sich auf eine antisemitische Verschwörungstheorie um George Soros, einem ungarisch-amerikanischen Investor, bezieht. Das T-Shirt zeigt einen Kraken welcher bereits in der NS-Propaganda ein häufiges Symbol für das angebliche „Internationale Judentum“ war. Früher waren auf der Seite auch noch Motive vom Antikapitalistischen Kollektiv sowie der Kampfgeneration zu kaufen. Dies lässt sich allerdings nur durch einen Blick auf die jeweiligen Facebook- Seiten herausfinden, da sie auf revoltopia.com nicht mehr zu finden sind.

Design von revoltopia.com im Vergleich mit einer antisemitischen
Karikatur (1938)

 

Antikapitalistisches Kollektiv

Das Antikapitalistische Kollektiv tritt vor allem als Vernetzungsplattform verschiedener Neonazi-Gruppen und Neonazi-Einzelpersonen unabhängig von Partei- oder Gruppenzugehörigkeit auf, weshalb es auch sehr schwer ist, eine genaue Anhängerzahl festzumachen. Angaben hierzu schwanken sehr stark, so meldet Belltower-News eine Zahl von 200, das Mobilisierungspotential könnte aber viel höher liegen. Das Antikapitalistische Kollektiv ist seit 2013 präsent und ging aus dem Freien Netz Hessen um Maximilian Reich hervor. Das Logo Hammer und Schwert stammt aus dem nationalrevolutionären Flügel der NSDAP.

Ideologisch setzt das Antikapitalistische Kollektiv für seine Mitglieder nur voraus nationalistisch zu sein und den globale Kapitalismus abzulehnen, als Alternative hierzu wird ein Nationaler Sozialismus gefordert. 2016 war das Antikapitalistische Kollektiv in der Lage, nach Plauen am 1. Mai 200 Personen in einen „Antikapitalistischen Block“ zu mobilisieren. Ein Jahr später in Halle scheiterte dies allerdings, obwohl im Vorfeld auch im Main-Taunus-Kreis mit Graffitits mobilisiert wurde. Auch durch verschiedene Aufkleber und Plakate, welche auf Revoltopia vermarktet wurden, ist das Antikapitalistische Kollektiv im Main-Taunus-Kreis in Erscheinung getreten.

NS-Area Plakate in Hattersheim

Graffiits des Antikapitalistischen Kollektivs in einer Autobahn-Unterführung im Main-Taunus-Kreis

Kampfgeneration

Seit Ende 2016 tritt die sogenannte Kampfgeneration sowohl auf Facebook (facebook.com/wasistdasfuer1generation) als auch mit eigenen Aufklebern in Erscheinung. Hier werden wie beim Antikapitalistischen Kollektiv ein angeblicher Antikapitalismus propagiert sowie viele Ästhetiken aus der links-autonomen Szene übernommen. Dies findet sich auch in ihren Motiven auf Aufklebern wieder, diese könnten mit Aufschriften wie „Bezahlbaren Wohnraum schaffen – Bonzenviertel abwerten“ oder „Unsere Stadt hat Bullen satt“ auf den ersten Blick auch aus linken Kontexten stammen. Für verantwortlich im Sinne des Presserechts wird hier Maximilian Reich angegeben. Auf Facebook tritt die Kampfgeneration wie das Antikapitalistische Kollektiv mit Hammer und Schwert auf, ein Symbol welches seinen Ursprung im nationalrevolutionären Flügel der NSDAP hat. Zudem veröffentlicht es hier angebliche Einsendungen, welche meist Plakataktionen von Nazis zeigen, eine davon sogar in Hofheim Ende August 2018, bei der Plakate von revoltopia.com auf Wahlplakaten angebracht wurden.

Junge Nationalisten

Die Jungen Nationalisten (bis Januar 2018 Junge Nationaldemokraten) sind die Jugendorganisation der rechtsextremistischen NPD. Sie ist oft noch aggressiver als diese in ihren Forderungen und ihrem Auftreten. Laut Verfassungsschutz hat sie in Hessen nur eine geringe, nicht genauer definierte Anhängerzahl, bundesweit sind es allerdings ca. 280.

Im Main-Taunus-Kreis sind die Jungen Nationalisten außer mit Aufklebern auch mit zwei Aktionen an den Bahnhöfen Hofheim und Hattersheim am 31. Juli 2017 aufgefallen. Dabei wurden Menschenumrisse auf den Boden angezeichnet, wie man sie von Tatorten kennt,und Flyer und Plakate platziert, auf denen „Multikulti tötet“ und „Tatort Multikulti“ stand. Auf ihrer Internetseite kann man Aufkleber mit Hammer und Schwert kaufen, wie sie auch bei der Kampfgeneration und dem Antikapitalistischen Kollektiv zu finden sind. Der Ursprung dieses Symbols liegt im nationalrevolutionären Flügel der NSDAP.  

Identitäre Bewegung

Die Identitäre Bewegung ist eine in mehreren europäischen Ländern aktive politische Gruppierung, welche vor allem durch öffentlichkeitswirksame Aktionen in Erscheinung tritt. Ideologisch bewirbt die Identitäre Bewegung einen sogenannten Ethnopluralismus, in dem verschiedene Kulturen räumlich voneinander getrennt existieren sollen, eine multikulturelle Gesellschaft wird abgelehnt, da angeblich die verschiedenen Kulturen so verloren gingen. In der Rassismusforschung wird darauf hingewiesen, dass im Ethnopluralismus der Rassebegriff des Rassismus durch den der Kultur ersetzt wird, die Konsequenzen dieser beiden Ideologien unterscheiden sich allerdings in keiner Weise. Oft wird durch die Identitäre Bewegung die Angst vor einem „großen Austausch“ geschürt, in dem die Europäer, oder das, was die Identitäre Bewegung darunter versteht, durch Migration vertrieben und ausgetauscht würden. Gegen diese angebliche Bedrohung stilisiert sich die Identitäre Bewegung als Widerstand, in dieser Rolle bezieht sie sich nicht zuletzt in ihrem Logo auf das antike Sparta und dessen Abwehr gegen die Perser. Zudem vertritt die Identitäre Bewegung ein konservativ-sexistisches Frauenbild.

In Deutschland wie in Österreich ist die Identitäre Bewegung eng mit der gesamten rechten Szene verwoben. Rechte Burschenschaften spielen hier eine große Rolle, aber auch mit der neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik von Götz Kubitschek ist gerade der österreichische Identitären-Chef Martin Sellner eng verbunden. Auch verschiedene Verbindungen zwischen AfD und Identitärer Bewegung sind bewiesen, so hat der sachsen-anhaltinische AfD Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider im September 2017 in einem Identitären Hausprojekt in Halle an der Saale ein Abgeordnetenbüro eröffnet. Die Aktionen der Identitären Bewegung werden meist mit dem Ziel der größtmöglichen Außenwirkung durchgeführt.So besetzten Mitglieder der Identitären Bewegung bereits symbolisch den den Eingang des Justizministeriums oder störten verschiedene Veranstaltungen, indem sie sich mit einem Banner auf die Bühne stellten.

In Deutschland hat die Identitäre Bewegung laut Verfassungsschutz 500 Mitglieder.

Phalanx Europa

Phalanx Europa ist ein Onlineshop, welcher von der Identitären Bewegung betrieben wird. Namentlich sind im Impressum der Identitären-Chef aus Österreich Martin Sellner sowie Patrick Lenart als Inhaber aufgeführt. Der Shop vertreibt Kleidung, Aufkleber, Plakate aber auch Bücher und Musik aus dem Identitären Umfeld. Die Kleidung aus dem Shop bezieht sich meist auf das europäische Mittelalter sowie die europäische Antike, und es wird suggeriert, Europa müsse verteidigt werden. Dies ist auch Motiv der meisten Aufkleber, aber auch eine Reihe von Aufklebern mit Zitaten von nationalistischen bis faschistischen Philosophen werden angeboten. In dieser sind neben Ezra Pound und Oswald Spengler, Verehrern des Italienischen Faschismus, intellektuelle Wegbereiter des Nationalsozialismus wie Ernst Jünger und Arthur Moeller van den Bruck sowie aktive Helfer dessen, wie der Staatsrechtler Carl Schmitt, vertretern

Die Bücher, welche auf Phalanx Europa verkauft werden, sind zumeist in Rechten Verlagen wie Antaios und dem bereits erwähnen „Institut für Staatspolitik“ erschienen. Oft sind sie sogar von hohen Identitären-Kadern geschrieben.

Neben den eigenen Produkten vertreibt Phalanx Europa auch Shops für andere Rechtsradikale Personen und Projekte, so finden sich hier die Shops der „PI-NEWS“ sowie des rechtsextremen Rappers Chris Ares.

Politaufkleber.de

Neben rassistischen Comic-Style Motiven auf Stickern und T-Shirts vertreibt Neonazi Sven Liebich auf seiner Seite politaufkleber.de T-Shirts und Aufkleber über die antisemitischen Verschwörungstheorie einer „Neuen Weltordnung“, mitsamt Bilderberg-Konferenz und allem, was dazu gehört. Auch Motive der neofaschistischen Identitären Bewegung dürfen neben holocaustrelativierenden Davidsternen mit der Aufschrift „AfD Sympathisant“ oder „Sachse“ in Anlehnung an die Judensterne aus der NS-Zeit natürlich nicht fehlen. Ähnlich ekelhaft sind die Aufkleber im Stile von Stolpersteinen mit angeblichen deutschen Opfern des so wörtlich „Vergewaltigungs-Jihads“. In der Beschreibung wird sogar darauf hingewiesen, dass diese Aufkleber auch gut auf Messingplatten (Stolpersteine in Erinnerung an die Opfer des Holocaust) halten würden.

Sven Liebich
  • ehem. Mitglied von Blood &Honour
  • heute Betreiber von rechtem Halle Leaks-Blog, politaufkleber.de und shirtzshop.de
Chemtrails

Chemtrails sind in den Augen von Anhängern einer Verschwörungstheorie das, was andere Menschen als Kondensstreifen bezeichnen. Laut der Verschwörungstheorie sind diese Streifen eben nicht kondensierte Abgase von Flugzeugen, sondern Chemikalien, welche eingesetzt werden, um eine gezielte Bevölkerungsreduktion herbeizuführen. Wissenschaftlich kann diese Theorie nicht bewiesen werden, dennoch gibt es seit den 90er Jahren eine wachsende Anzahl gerade im Internet aktiver Personen, die diese Theorie vertreten. Oftmals ist die Theorie mit der einer angebliche Geheim-Regierung verbunden, die eine „Neue Weltordnung“ herbeiführen wolle, gerade diese Teile dieser Theorie sind oft von Antisemitismus und antisemitischen Stereotypen geprägt.

PI-News

PI-News.net (PI=politically incorrect) ist ein rechtspopulistischer bis rechtsextremer Blog, welcher 2004 von Stefan Herre gegründet wurde. Der Blog beschäftigt sich in seinen Beiträgen größtenteils mit der angeblichen Islamisierung Europas und der angeblichen Unvereinbarkeit der Islams mit der westlichen Welt. In Zuge dessen wird auch jegliche Zuwanderung in vielen Artikeln auf PI-news abgelehnt. Nicht nur Muslime, sondern auch Menschen aus der gesellschaftlichen Linken werden von PI-News regelmäßig angegriffen. Gerade Politker_innen der Grünen wie Claudia Roth sind oft Opfer von Angriffen und Beleidigungen. PI-News ist zudem auch maßgeblich an der Verbreitung der Verschwörungstheorie beteiligt, dass linke Demonstrierende für ihre Teilnahme an Gegendemonstrationen bezahlt würden.

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